BDI-Präsidentin Christine Neumann-Grutzeck betont: „Wir sehen die Vorschläge des vdek als ein interessantes Diskussionsangebot an alle Beteiligten. Viele Patientinnen und Patienten, insbesondere mit chronischen Erkrankungen, werden häufig primär von internistischen Fachärztinnen und Fachärzten betreut. Deshalb ist es entscheidend, dass Patientensteuerungskonzepte nicht einseitig auf die hausärztliche Versorgung beschränkt bleiben.“
„Als BDI begrüßen wir jede Initiative, die versorgungsrelevante Ressourcen sinnvoll bündelt und dabei neue Modelle testet. Das Ziel muss jedoch eine effektive Patientensteuerung sein, die unnötige Arzt-Patienten-Kontakte nachhaltig reduziert, ohne die Praxen durch erhöhte Dokumentationspflichten zu überlasten. Zudem braucht es nicht nur einen echten Mehrwert für die Patienten, sondern auch für die Ärztinnen und Ärzte – zum Beispiel durch spürbare Entlastung in Praxen und Kliniken sowie eine angemessene Vergütung der zusätzlichen Steuerungsaufgaben. Dafür muss die Ärzteschaft aktiv in die Ausgestaltung eingebunden sein“, fordert die Fachärztin für Innere Medizin und Diabetologie.
Der BDI weist ausdrücklich darauf hin, dass er eine reine Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) nicht uneingeschränkt befürwortet – schon gar nicht als alleinige Regelstruktur. Zum einen sind hausärztliche Kapazitäten vielerorts begrenzt – nicht zuletzt durch die strukturelle Benachteiligung hausärztlich tätiger Internistinnen und Internisten –, zum anderen benötigen viele chronisch kranke Patientinnen und Patienten schnell und unkompliziert Facharztleistungen.
BDI-Vizepräsident Dr. med. Norbert Smetak ergänzt: „Krankenkassen und Ärzteschaft müssen wieder mehr gestalterisch im Gesundheitswesen tätig werden. Wir sollten diese Aufgabe nicht allein der Politik überlassen. Dafür werden wir gemeinsam tragfähige Lösungen entwickeln, die in der Praxis funktionieren, ohne zusätzliche Bürokratie zu erzeugen.“
„Als BDI stehen wir für eine offene, sachliche Auseinandersetzung mit verschiedenen Steuerungskonzepten – sowohl im Kollektiv- als auch im Selektivvertrag. Was wir jetzt fordern und umsetzen wollen, ist die Möglichkeit, unterschiedliche Modelle – zum Beispiel in einzelnen Regionen – zu testen. Das Ziel muss sein, dass Haus- und Fachärztinnen und -ärzte reibungslos zusammenarbeiten und Versorgungspfade optimiert werden. Genau darin sehen wir einen großen Vorteil, wenn ärztliche Verbände früh in die Konzeption eingebunden werden“, so Smetak.
In den aktuellen Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD fordert der BDI, politische Weichen für eine zukunftsfeste Patientensteuerung zu stellen.
BDI-Vizepräsident PD Dr. med. Kevin Schulte verweist zudem auf die Erfahrungen aus der Versorgung chronisch Nierenerkrankter und anderer internistischer Patientengruppen: „Gerade bei komplexen Krankheitsbildern brauchen wir einen passgenauen Zugang zu haus- und fachärztlicher Expertise. Wir haben in jüngsten Studien zur chronischen Nierenerkrankung gezeigt, wie wichtig ein frühzeitiger und direkter fachärztlicher Zugang ist. Patientensteuerung muss daher immer mehrere Versorgungsebenen simultan in den Blick nehmen – nur so erreichen wir eine ganzheitliche, qualitativ hochwertige Betreuung. Es ist politische überfällig, die Versorgung endlich gemeinsam im Sinne der Patientinnen und Patienten weiterzuentwickeln und den nächsten Schritt zu gehen.“